Historie

73 Jahre Elferrat der Kolpingsfamilie Wesel

In der Session 2019/2020 besteht der Elferrat der Kolpingsfamilie seit 73 Jahren.

Eine lange Geschichte liegt hinter dem Komitee. Und auch immer wieder neue Aufgaben und Herausforderungen. Die Struktur des Elferrates zeigt, dass der Spagat, das Bewährte zu bewahren und neue Dinge anzugehen, funktioniert. Unser Gründungsmitglied Günter Auger feiert in dieser Session seine 73-jährige Mitgliedschaft im Elferrat der Kolpingsfamilie. Dazu kommen Helmut Coenen, Karl Greil und Irmgard Remfort, die für ihre 70-jährige Mitgliedschaft geehrt werden. Karl Letzner wird für 50 Jahre Mitgliedschaft geehrt, Karl-Friedrich Moshövel für 45 Jahre, Dieter Straszydlo für 20 Jahre und Simone Komescher für 15 Jahre. Dazu wurden in dieser Session wieder mehrere Mitglieder neu in den Elferrat aufgenommen. Das lässt und positiv nach vorne schauen.

In seiner Geschichte hat der Elferrat der Kolpingsfamilie Wesel mit feinsinnigem Humor und enormer Tatkraft im Weseler Karneval immer neue Akzente gesetzt und tut es auch noch heute.

Wie alles begann:

Im Jahre 1946 formierte sich das muntere "Quintett" Hans Kühnen (1947 erster Präsident), Hermann Oemkes, Hans Radzicki, Hans Schmitz und das einzige noch lebende Gründungsmitglied Günter Auger, zum ersten Elferrat und Gründern des Elferrates der Kolpingsfamilie Wesel. Sie  hatten damals den Mut, die Menschen der Heimatstadt, die in Schutt und Asche lag, wieder aufzumuntern. Bei der ersten Sitzung der Gründer schlugen die Wellen der Begeisterung gleich hoch und im selben Jahr wurde dann auch die erste Kappensitzung in der Holzbaracke an der Blücherstraße veranstaltet. Da diese für die Feiern zu klein wurde, zogen die Karnevalisten unter der Präsidentschaft  von Hermann Oemkes 1948/1949 und 1950 mit ihren närrischen Sitzungen in die Reitzensteinkaserne um. 1950 wurde mit dem Bau des neuen Kolpinghauses am Nordglacis begonnen. Noch nicht fertiggestellt, wurde im Rohbau 1951 die erste Karnevalssitzung unter Präsident Hans Radzicki (1951, 1955, 1965-1971) durchgeführt. Büttenredner und Gesangsgruppen erwarben sich dort ihre bekannten Namen. Hans Radzicki, Josef Brincks, Heinrich Brincks, Bernd Mühlen, Heinz Stock, Hans Schmitz, Paul Thielen und auch Günter Auger stiegen in die Bütt. Heinrich Schmitz, Rolf Schmitz, Erich Dahms, Karl Greil, Helmut Coenen und später Heinrich Brincks fanden sich zur Gesangsgruppe "Pannekuks" zusammen und waren über 26 Jahre eine Attraktion bei allen Karnevalsveranstaltungen.

Am Rosenmontag 1951 zog der Elferrat der Kolpingsfamilie mit einem selbstgebauten "Samba-Zug" vom Berliner Tor zum Großen Markt durch die Stadt. Aber erst 1966 wurde die Idee des Rosenmontagszuges von der Kolpingsfamilie verwirklicht, und zusammen mit den Bürgerschützen begann der Straßenkarneval in Wesel. Ein Jahr später zog dann der erste große karnevalistische Triumphzug von Kolpingsöhnen, Bürgerschützen, Weißen Mäuse und einer Gruppe aus Obrighoven durch die Stadt.

Immer mehr Gruppen und Vereine bildeten sich in Wesel, um den Karneval zu feiern oder sich am Rosenmontagszug zu beteiligen.

Das Elferratsmitglied des Elferrates der Kolpingsfamilie und langjähriger Präsident (1954 und 1956 – 1964) Paul Thielen gelang es 1967, eine Dachorganisation zu gründen, den heutigen Carnevals-Ausschuss Wesel, kurz genannt "CAW". Auch weitere CAW Präsidenten und CAW Vorstandsmitglieder Mitglieder hatten und haben ihre karnevalistischen Wurzeln in unserem Elferrat, wie z.B. Robert Terhorst, Karl-Friedrich Moshövel sowie Winfried Letzner und Ludger Becker.

Seit 1972 besteht zwischen den Städten Felixstowe (England) und Wesel ein freundschaftliches Verhältnis und über viele Jahre und so oft wie möglich reisen Freunde zu Freunden, um frohe Stunden miteinander zu verbringen.

Die Große Prunksitzung wurde im Jahre 1962 in die zwischenzeitlich errichtete Niederrheinhalle verlegt, in der seither der Elferrat agiert. Nur mit einer Ausnahme: 1993. In jenem Jahr feierte der Elferrat der Kolpingsfamilie in einem neben der Niederrheinhalle aufgebauten Festzelt die Große Prunksitzung. Viele schwärmen noch heute von der besonderen Atmosphäre dieser Veranstaltung.

Legendäre Auftritte in der Niederrheinhalle von "Frau Piff und Frau Paff", alias Hans Radzicki und Bernd Mühlen, von den "Pannekuks", von Eugen Lohmann als "Till" in der Bütt, von Heinrich Brincks als „Esel von Wesel“. Auch die Auftritte von Günter Auger als "Doof Nuss" werden heute noch als Sternstunden des Kolpingkarnevals und des Weseler Karnevals gewertet.

Nicht zu vergessen das Funkenmariechen Monika Schmitz. Sie war auch 1971 als Monika I. mit Fritz I. Focks das erste Prinzenpaar der Stadt Wesel. Seit dem Bestehen des CAW kamen aus dem Kreis des Elferrates der Kolpingsfamilie bereits neun Prinzen, zehn Prinzessinnen und vier Hofmarschälle/Prinzenführer. Im Jahr des 66-jährigen Bestehens repräsentiert sich der Elferrat der Kolpingsfamilie bereits das 11. Prinzenpaar der Stadt Wesel.

Eine zweite Gesangsgruppe bereicherte 35 Jahre lang (1968 – 2003) die Weseler Büttensitzungen. Die "Ollinötsches" parodierten das kommunale Stadtgeschehen auf feinsinnige und humorvolle Weise.

1977 gründete unser unvergessener Hans Radzicki, alias „Schmittchen Schleicher“ das Männerballett, das in jedem Jahr aufs Neue ein Reißer im Programm der Großen Prunksitzung ist. Lange Jahre war unser ebenfalls unvergessene Johannes (Hans) Sadowski Kapitän der Truppe. Für Elastizität und Rhythmus bei den Männern sorgte über 25 Jahre Edith Roggendorf. Danach leitete Angelika Zimmermann das Männerballett. Heute ist Sarah Brincks die Trainerin des Männerballetts.

Viele Bühnenerfolge verzeichneten in 25 Jahren von 1980 bis 2005, auch immer wieder die Gebrüder Hans und Josef Wissen mit ihrem Leierkasten als "Hinterhofsänger". Auch sei erinnert an die Gesangsgruppe "Die Wiesel" und an die Tanzgruppe "Colibris".

In die Bütt, ob beim traditionellen Auftakt am 11.11. im Kolpinghaus oder bei der großen Prunksitzung in der Niederrheinhalle, sind im Laufe der Jahre viele Mitglieder und Nachwuchskräfte gestiegen.

Die Aktivitäten des Elferrates wurden von 1972 bis 1991 von unserem Präsidenten Karl Letzner geleitet, der die Präsidentschaft dann für die Jahre 1992 bis 1998 an Helmut Coenen übergab. Beide sind heute Ehrenpräsidenten des Elferrates der Kolpingsfamilie. Ebenso Jürgen Göbeler seit 2016. Nach der Einführung eines Sitzungspräsidenten stand das Geschehen der Großen Prunksitzung 25 Jahre lang von 1980 –2005, unter der Leitung unseres heutigen Ehren-Sitzungspräsidenten Karl-Heinz Ortlinghaus. Seit der Übergabe der Präsidentschaft an Jürgen Göbeler im Jahre 1998, lag nunmehr die Verantwortung und Gestaltung in den Händen eines jungen Teams der 2. karnevalistischen Generation. Hierzu gehörten unser Vizepräsident Winfried Letzner oder auch Christoph Brincks, der bei der Großen Prunksitzung seit 1999 als echter Schornsteinfegermeister in die Bütt stieg. Alles, was er von den Dächern über der Stadt an Merkwürdigkeiten mitbekam, „nahm er auf den Besen und kehrte ordentlich aus“. Ebenso war Christoph Brincks Mitinitiator der Gesangsgruppe „Mitten drin – statt nur dabei“, die ebenfalls in der Großen Prunksitzung des Elferrates der Kolpingsfamilie auftraten.

Alle Jahre wieder stehen Mitglieder des Elferrates Stunde um Stunde zur Verfügung, um die Wagen für den Rosenmontagszug zu bauen. Dazu gehörten bis vor wenigen Jahren der Elferratswagen und der immer noch sehr erfolgreiche und mit zahlreichen Preisen prämierte Schauwagen. Aber auch die Elferratsfrauen stehen ihren Männern in nichts nach und präsentieren sich ebenfalls sehr erfolgreich als Fußgruppe im Rosenmontagszug.

Seit Jahren ist der Elferrat der Kolpingsfamilie mit zwei, heute nur noch mit einem Wagen und bis zu vier Fußgruppen, darunter neben der Kindertanzgarde und der Tanzgarde des Elferrates, den Elferratsfrauen und der „Jungen Familie“  im Rosenmontagszug vertreten. Bis vor einigen Jahren waren auch die „Ollinötsches“ mit im Rosenmontagszug.

Im Jahre 1971 stürmte Prinzessin Monika I. erstmals mit ihren "Alten Weibern" das Rathaus. Auch diese Tradition wird bis heute beibehalten. Auch heute noch sind unsere Möhnen ein fester Bestandteil des Straßenkarnevals. Sie beherrschen Altweiber das Straßenbild unserer Stadt.

In der Session 1996/1997, im Jahre des 50-jährigen Jubiläums des Elferrates der Kolpingsfamilie, stellte unser Komitee mit Prinz Jürgen I. (Göbeler) und Prinzessin Dorothee I. (Schneider) das Prinzenpaar der Stadt Wesel.

In der Session 2011/2012 waren es Prinz Ludger I. (Becker) und Prinzessin Elke I. (Becker).

In der Session 2013/2014 kam das Prinzenpaar wiederum ein Prinzenpaar aus unserem Komitee. Prinz Michael II. (Gossen)und Prinzessin Astrid I. (Gossen) mit Pagin Kerstin und Pagen Thomas repräsentierten mit dem Prinzenführer Luc Eben das Prinzenpaar der Stadt Wesel.

In der Session 2014/2015 erleben die Närrinnen und Narren ein tolles Prinzenpaar mit Prinz Patrick I. (Lohmann) und Prinzessin Kristin I. (Lohmann, geb. Pollmann). Kristin war die Trainerin der Tanzgarde und der Kindertanzgarde des Elferrates der Kolpingsfamilie und setzte die Tradition und das Engagement des Komitees für den Weseler Karneval fort. Eine weitere Prinzessin aus unseren Reihen.

Die Session 2015/2016 stand im Zeichen des Wandels. Eine junge Generation von Karnevalisten strebte nach vorn und will Verantwortung übernehmen.

Der Elferrat heute:

50 Jahre Tanzgarden des Elferrates

In dieser Session begehen unsere Tanzgarden ihr 50-jähriges Jubiläum:

Im Jahre 1969 gründete Monika Schmitz (heute Monika Wilming) die Tanzgruppe "Sternschnuppen". Acht bis zehn junge Damen, die mit ihren tänzerischen Darbietungen schnell die Bühnen am Niederrhein eroberten. Später standen sie unter der Leitung von Annegret Guerra und Gerda Gossen. Mit ihren Leistungen errangen sie in den Jahren bis 1990 viele Meistertitel, Urkunden und Pokale. Ihre Auftritte führten nach Düsseldorf, Köln, Aschaffenburg, Felixstowe / England und nach Holland. Aber auch in der ehemaligen Discothek von Schloss Lembeck wurde „abgetanzt“.

1970 hatte Irmgard Remfort die Idee, eine Kindertanzgarde zu gründen. Im Jahre 1977 entstand eine weitere Garde, die Tanzgarde des Elferrates. Lange Zeit trainierte Brigitte Pollmann, die Tochter von Irmgard Remfort beide Tanzgarden. Auf Brigitte Pollmann folgen ihre beiden Töchter Kristin und Karolin Pollmann. Interimsweise für eine Session wurden die Tanzgarden von Martina Goldmann und Martina Boehmer trainiert und betreut. Heute wird die Kindertanzgarde geleitet von Silke von Brackel und Mandy Jeschke. Die Tanzgarde des Elferrates, die sich in Anlehnung an die sehr erfolgreiche Formation der 70er und 80er Jahre mittlerweile wieder die „Sternschnuppen“ nennt, wird geleitet von Laura Nitsch, Ninja Borgmann und Annika Gossen.

Seit nun 50 Jahren sind unsere Tanzgarden ein Aushängeschild des Elferrates der Kolpingsfamilie. Sie tanzen bei der Großen Prunksitzung unseres Elferrates in der Niederrheinhalle, bei der Kinderprinzenproklamation, bei der Proklamation des Prinzenpaares der Stadt Wesel, bei der Eselordenverleihung, bei der Prinzengala in Brünen, beim Prinzentreffen in Ossenberg und auch in den Altenheimen der Stadt Wesel erfreuen sie ihr Publikum. Gestern wie heute: Jung und spritzig. Vielen Dank für 50 Jahre begeisternden Garde- und Showtanz und die tollen Auftritte im letzten halben Jahrhundert.

Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum.

 

Das Komitee des Jahres 2019/2020 hat 67 Mitglieder. Und nun ist auch die echte 3. Generation im Elferrat vertreten. Junge Menschen mit 18, 20 oder 22 Jahren und einer gesunden Portion Selbstbewusstsein, neuen Ideen und Tatkraft.

Der Elferrat der Kolpingsfamilie hat dem Rechnung getragen. Das zeigt sich in der Funktion der Präsidentin des Komitees. Kristin Lohmann hat die verantwortungsvolle Aufgabe übernommen, „Gutes zu bewahren und Neues zu schaffen“. Sie trat die Nachfolge von Jürgen Göbeler an, der die Geschicke des Elferrates über 18 Jahre geleitet hatte. Ein echter Generationenwechsel.

Der Elferrat der Kolpingsfamilie hat das Momentum genutzt und die Prinzessin der Session 2014/2015 als Präsidentin gewählt. Sie ist jung und dennoch im Karneval sehr erfahren. Also was lag näher, als diese Entscheidung zu treffen. In enger und vertrauensvoller Zusammenarbeit von Komitee und Vorstand wird der Elferrat die Karnevalstradition des Elferrates der Kolpingsfamilie  in den nächsten Jahren weiter „jugendfest“ machen. Es gilt, Ideen und Konzepte zu entwickeln, dass Jung und Junggebliebene gemeinsam Karneval feiern.

Es ist ein guter Weg, der bestimmt nicht immer leicht ist. Aber die Verantwortlichen gehen diesen Weg und freuen sich auf die Aufgaben.

Und so braucht man sich aktuell um den Elferrat der Kolpingsfamilie keine großen Sorgen zu machen. Und das verdanken wir unseren engagierten und tatkräftigen Mitgliedern, die uns über die Jahre die Treue gehalten haben. Denn sie haben letztlich das geleistet, wofür der Elferrat der Kolpingsfamilie Wesel steht: Für die Tradition, für die Pflege des niederrheinischen Brauchtums und damit für die Zukunft des Kolping-Karnevals und des Karnevals in Wesel.

Diese Zukunft wird erfreulicherweise immer mehr durch die jungen Mitglieder in unseren Reihen gesichert. Sie übernehmen immer mehr Initiative und Verantwortung. So besteht der Wunsch und die Hoffnung, dass der Elferrat der Kolpingsfamilie Wesel mit neuen Akzenten den Karneval der Kolpingsfamilie weiterentwickeln kann.

Wer nur in die Fußstapfen seiner Vorgänger tritt, hinterlässt keine eigenen Spuren. Dazu bekräftigen wir unser Versprechen: Wir stehen zur Tradition des Elferrates der Kolpingsfamilie Wesel. Wir werden das Gute bewahren, aber auch Neues bewirken.